{"id":1522,"date":"2024-09-26T15:45:42","date_gmt":"2024-09-26T14:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/?p=1522"},"modified":"2024-09-26T16:27:57","modified_gmt":"2024-09-26T15:27:57","slug":"inklusion-durch-digitalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/inklusion-durch-digitalisierung\/","title":{"rendered":"Inklusion durch Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<h2>Kurzer Exkurs in die Geschichte der Behindertengleichstellung<\/h2>\n<p>Die Einstellung zu Menschen mit Behinderungen hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte und in den verschiedenen Kulturen stark ver\u00e4ndert. In vielen Gesellschaften der Vergangenheit wurden Menschen mit Behinderungen stigmatisiert und ausgegrenzt. In der Antike und im Mittelalter galten Behinderungen oft als Strafe Gottes oder als Zeichen von Besessenheit.<\/p>\n<p>Mit der Aufkl\u00e4rung und dem wachsenden sozialen Bewusstsein f\u00fcr Menschenrechte begann sich die Gesellschaft st\u00e4rker mit den Problemen von Menschen mit Behinderungen auseinanderzusetzen. Die ersten Wohlfahrtsverb\u00e4nde und Einrichtungen f\u00fcr Menschen mit Behinderungen entstanden, allerdings oft mit dem Ziel der Separation statt der Integration.<\/p>\n<p>Nach den verheerenden Auswirkungen der Weltkriege r\u00fcckte die Situation von Menschen mit Behinderungen st\u00e4rker ins \u00f6ffentliche Bewusstsein. So kam es parallel zu den B\u00fcrgerrechts- und Frauenrechtsbewegungen in den 60er Jahren in den USA und in Europa auch zu Behindertenrechtsbewegungen, die sich f\u00fcr die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen und den Abbau von Barrieren einsetzten. Diese Bewegungen legten den Grundstein f\u00fcr moderne Gleichstellungsgesetze und Inklusionsstrategien.<\/p>\n<h3>Wichtige Meilensteine auf den Weg zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen:<\/h3>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>1973:<\/strong> Verabschiedung des Rehabilitation Act in den USA, der Diskriminierung aufgrund von Behinderungen in Bundesprogrammen verbietet.<br \/>\n<strong>1990:<\/strong> Einf\u00fchrung des Americans with Disabilities Act (ADA) in den USA, eines umfassenden Antidiskriminierungsgesetzes.<br \/>\n<strong>2006:<\/strong> Die Vereinten Nationen verabschieden die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK),<br \/>\ndie <strong>2008<\/strong> in Kraft tritt und weltweit die Rechte von Menschen mit Behinderungen st\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Nach und nach haben viele L\u00e4nder Gesetze und Richtlinien eingef\u00fchrt, die die Rechte von Menschen mit Behinderungen sch\u00fctzen und f\u00f6rdern. Die UN-Behindertenrechtskonvention wurde bisher von mehr als 180 Staaten gesetzlich ratifiziert. Dennoch besteht in vielen Bereichen bis heute eine gesellschaftliche Stigmatisierung und ein mangelndes Bewusstsein f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse von Menschen mit Behinderungen.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Teilhabe am digitalen Leben<\/h2>\n<p>Mit dem Einzug der digitalen Transformation hat sich das Spektrum der Gleichstellungsbem\u00fchungen erheblich erweitert. Die Digitalisierung beeinflusst nahezu jeden Aspekt unseres t\u00e4glichen Lebens &#8211; von der Art und Weise, wie wir kommunizieren und Informationen austauschen, bis hin zu Bildung, Arbeit und sozialer Interaktion. F\u00fcr Menschen mit Behinderungen er\u00f6ffnet dies einerseits neue M\u00f6glichkeiten der Teilhabe, andererseits entstehen jedoch auch neue Barrieren.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang zur digitalen Gleichstellung erfordert ein Umdenken in unserer Gesellschaft. Es geht darum, technologische Innovationen zu nutzen, um Barrieren abzubauen. Technologien wie assistive Sehhilfen, Screenreader, Sprachsteuerungen oder personalisierte Benutzeroberfl\u00e4chen k\u00f6nnen hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Dieser Wandel bietet die Chance, die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen auf ein neues Level zu heben. Unternehmen, die diesen \u00dcbergang aktiv mitgestalten, k\u00f6nnen von einem erweiterten Kundenkreis und einer positiven gesellschaftlichen Wahrnehmung profitieren.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit zeigt jedoch, dass Fortschritte in der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen nur durch gesetzliche Massnahmen erzielt wurden. Die meisten Unternehmen handeln im Bereich Barreierfreiheit nicht proaktiv, das hat viele Gr\u00fcnde, auf die ich jetzt nicht eingehen m\u00f6chte, aber es zeigt uns, wie entscheidend politische Entscheidungen und gesetzliche Regelungen f\u00fcr den Fortschritt in der Barrierefreiheit sind.<\/p>\n<p>Die digitale Barrierefreiheit, die Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erm\u00f6glichen sollen, werden international durch die WCAG-Richtlinien des W3C definiert. Die erste Version dieser Richtlinien wurde 1999 ver\u00f6ffentlicht und bildet seither die Grundlage f\u00fcr viele nationale Gesetze zur digitalen Barrierefreiheit.<\/p>\n<p>Auch die EU-Normen und Richtlinien basieren auf den Vorgaben der WCAG. Diese werden von den Mitgliedsstaaten eigenst\u00e4ndig in nationale Gesetze \u00fcberf\u00fchrt. Deutschland setzt die EU-Richtlinien beispielsweise durch das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0), um. In der Schweiz wird die Barrierefreiheit durch das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) und die dazugeh\u00f6rige Behindertengleichstellungsverordnung (BehiV) geregelt.<\/p>\n<p>Allerdings werden die WCAG und die daraus abgeleitenden Gesetzlichen Vorschriften dahingehend kritisiert, kognitive Behinderungen nicht ausreichend zu ber\u00fccksichtigen. Diese L\u00fccke ist sicherlich auch historisch bedingt. Sie resultiert vor allem aus einer Arbeitswelt, in der noch \u00fcberwiegend k\u00f6rperlich gearbeitet wurde, was dazu gef\u00fchrt hat, dass f\u00fcr Menschen mit k\u00f6rperlichen Behinderungen bereits einige Verbesserungen erreicht wurden. F\u00fcr Menschen mit kognitiven Behinderungen besteht hingegen noch ein grosser Unterst\u00fctzungsbedarf.<\/p>\n<h2>Gesetzliche Richtlinien<\/h2>\n<div id=\"attachment_1530\" style=\"width: 3831px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1530\" class=\"size-full wp-image-1530\" src=\"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1.png\" alt=\"\u00dcbersicht \u00fcber Richtlinien und Verordnungen zur digitalen Barrierefreiheit\" width=\"3821\" height=\"2316\" srcset=\"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1.png 3821w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1-300x182.png 300w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1-1024x621.png 1024w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1-768x466.png 768w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1-1536x931.png 1536w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Internationale-Accessibility-Richtlinien-1-2048x1241.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 3821px) 100vw, 3821px\" \/><p id=\"caption-attachment-1530\" class=\"wp-caption-text\">Die Vergangnheit zeigt, dass Fortschritte in der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen nur durch gesetzliche Massnahmen erzielt wurden. Das zeigt uns, wie wichtig weitere gesetzliche Regelungen f\u00fcr den Fortschritt in der Barrierefreiheit sind.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>Situation 2024 in der Schweiz<\/h2>\n<p>Nach eingehender Pr\u00fcfung im M\u00e4rz 2022 kommt der \u00abUNO-Ausschuss zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen\u00bb zu einem ern\u00fcchternden Ergebnis: Die Schweiz verletzt in vielen Bereichen die Rechte von Menschen mit Behinderungen und die von der Konvention geforderte Inklusion wird auf allen staatlichen Ebenen und in der Gesellschaft noch zu wenig gelebt. Bei allen aufgef\u00fchrten Gleichstellungsrichtlinien besteht in der Schweiz noch grosser Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen zum Beispiel die meisten Erwachsenen mit kognitiver Beeintr\u00e4chtigung in der Schweiz ihren Wohnort und ihre Wohnform nicht frei w\u00e4hlen. Kinder mit kognitiver Beeintr\u00e4chtigung besuchen oft Sonderschulen. Und Informationen zu Wahlen und Abstimmungen sind f\u00fcr viele Menschen mit kognitiver Beeintr\u00e4chtigung oft zu kompliziert. (Quelle: <a href=\"https:\/\/insieme.ch\/thema\/inklusion\/uno-brk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/insieme.ch\/thema\/inklusion\/uno-brk\/<\/a>)<\/p>\n<p>Zudem sind die meisten Richtlinien in der Schweiz nicht verbindlicher Natur, sondern haben nur empfehlenden Charakter. Dies f\u00fchrt dazu, dass sie nur langsam und z\u00f6gerlich umgesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Personengruppen, die von barrierefreien Angeboten profitieren<\/h2>\n<div id=\"attachment_1529\" style=\"width: 1250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1529\" class=\"size-full wp-image-1529\" src=\"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Teilhabe-am-digitalen-Leben-1.png\" alt=\"Die Grafik stellt dar: Sehbehinderte und Blinde: 15%, H\u00f6rbehinderte und Geh\u00f6rlose: 5%, Motorisch-Behinderte: 20%, Kognitiv und psychisch Behinderte: 5%, Analphabeten und Migranten mit geringen Landessprachkenntnissen: 10%, Personengruppen ohne Beeintr\u00e4chtigung: ca. 65%\" width=\"1240\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Teilhabe-am-digitalen-Leben-1.png 1240w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Teilhabe-am-digitalen-Leben-1-300x154.png 300w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Teilhabe-am-digitalen-Leben-1-1024x527.png 1024w, https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Teilhabe-am-digitalen-Leben-1-768x395.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1240px) 100vw, 1240px\" \/><p id=\"caption-attachment-1529\" class=\"wp-caption-text\">Etwa 35% der Schweizer Bev\u00f6lkerung sind in vielen Bereichen auf barrierefreie Angebote.angewiesen. Der Rest der Bev\u00f6lkerung profitiert in der Regel auch durch eine einfachere Zug\u00e4nglichkeit und eine bessere Usability.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Barrierefreiheit bietet nur Vorteile aber keine Nachteile<\/h2>\n<p>Die Anzahl der Menschen, f\u00fcr die Barrierefreiheit entscheidende Mehrwerte bietet, ist deutlich h\u00f6her, als die meisten erwarten w\u00fcrden. In der Schweiz gelten rund 22% der Bev\u00f6lkerung als behindert im Sinne des Gleichstellungsgesetzes, aber in Wirklichkeit profitieren viel mehr Menschen von Accessibility.<\/p>\n<p>Barrierefreiheit betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch \u00e4ltere Menschen, Migranten mit ungen\u00fcgenden Sprachkenntnissen oder funtkionelle Analpabeten. Z\u00e4hlt man diese Personengruppen dazu, kommt man mindestens auf 35% der Bev\u00f6lkerung, die direkt von Accessibility-Massnahmen profitieren. Aber auch alle anderen profitieren in speziellen Situationen wie schlechter Beleuchtung oder lauten Umgebungen von barrierefreien L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Unternehmen sollten daher nicht erst auf gesetzliche Vorgaben warten, die sie zur Schaffung barrierefreier Angebote verpflichten, sondern dies als Chance sehen, ihre Zielgruppen und damit ihre Kundenbasis zu erweitern. Barrierefreiheit verbessert die Nutzererfahrung f\u00fcr alle und schafft Wettbewerbsvorteile.<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt, wurden f\u00fcr Menschen mit k\u00f6rperlichen Behinderungen durch die Umsetzung bestehender Richtlinien bereits einige Verbesserungen erreicht. Viele Websites des \u00f6ffentlichen Sektors sind bereits f\u00fcr seh- und h\u00f6rbinderte Menschen optimiert worden.F\u00fcr Menschen mit kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen hingegen ist der Zugang zum digitalen Leben oft noch unzureichend. Kaum eine Website bietet beispielsweise Inhalte in \u00abLeichter oder Einfacher Sprache\u00bb an &#8211; und wenn, dann vor allem auf Seiten von Organisationen, die sich diesem Thema widmen. Kulturelle oder kommerzielle Angebote, wie Online-Shops, die auf die Bed\u00fcrfnisse von Menschen mit kognitiven Einschr\u00e4nkungen eingehen, sind selten. Dabei gibt es bereits erprobte Konzepte, die vielen Menschen den Zugang zu Informationen erleichtern k\u00f6nnten (siehe dazu auch meinen Blogbeitrag).<\/p>\n<p>Ab Juni 2025 sind in der EU durch dem \u00ab<a href=\"https:\/\/abilitynet-org-uk.translate.goog\/news-blogs\/your-questions-about-european-accessibility-act-EAA?_x_tr_sl=en&amp;_x_tr_tl=de&amp;_x_tr_hl=de&amp;_x_tr_pto=rq\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4ischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit<\/a>\u00bb auch private Unternehmen zur Barrierefreiheit verpflichtet. Unternehmen, die ihre digitalen Angebote nicht barrierefrei gestalten, m\u00fcssen dann mit Bussgeldern und der Schliessung ihrer Angebote rechnen. Das betrifft allein in Deutschland mehr als 3 Millionen Anbieter von Websites und mobilen Apps und auch viele Unternehmen in der Schweiz, die ihre Produkte und Dienstleistunen in der EU anbieten.<\/p>\n<p>Ich gehe davon aus, dass diese gesetzlichen Vorgaben Bewegung in die bislang z\u00f6gerliche Umsetzung der Barrierefreiheitsrichtlinien bringen werden.<\/p>\n<p>Auf die Gestalter und Entwickler digitaler Angebote kommt also viel Arbeit zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Anhang<\/h2>\n<h3>Ausmass von Behinderungen weltweit:<\/h3>\n<p>Die folgenden Sch\u00e4tzungen basieren auf globalen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen internationalen Organisationen.<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Sehbehinderte und Blinde:<\/strong> Weltweit leben etwa 1,2 Milliarden Menschen (etwa 15% der Weltbev\u00f6lkerung) mit einer Sehbeeintr\u00e4chtigung oder Blindheit, die nicht vollst\u00e4ndig durch Sehhilfen korrigiert werden kann.<\/li>\n<li><strong>H\u00f6rbehinderte und Geh\u00f6rlose:<\/strong> Weltweit leben mehr als 1,5 Milliarden Menschen mit einer H\u00f6rbeeintr\u00e4chtigung. Davon haben etwa 430 Millionen Menschen (rund 5% der Weltbev\u00f6lkerung) eine als \u00abbehindernd\u00bb eingestufte H\u00f6rbeeintr\u00e4chtigung<\/li>\n<li><strong>Motorisch-Behinderte:<\/strong> Etwa 2% der Weltbev\u00f6lkerung haben schwere motorische Behinderungen. Diese MEnschen sind dauerhaft auf Gehhilfen oder Rollst\u00fchle angewiesen. Leichte und m\u00e4ssige motorische Einschr\u00e4nkungen sind wesentlich h\u00e4ufiger. Man geht davon aus, dass zwischen 15\u202f% und 20\u202f% der Menschheit k\u00f6rperliche Mobilit\u00e4tseinschr\u00e4nkungen aufweist und Schwierigkeiten beim Zur\u00fccklegen von l\u00e4ngeren Strecken, beim Treppensteigen oder bei der Benutzung von Fahrzeugen oder \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln hat.<\/li>\n<li><strong>Kognitiv und psychisch Behinderte:<\/strong> Nach Sch\u00e4tzungen der WHO sind 15 bis 20 % der Weltbev\u00f6lkerung von kognitiven oder psychischen Beeintr\u00e4chtigungen betroffen. Kognitive Behinderungen (intellektuelle Beeintr\u00e4chtigungen) betreffen ca. 1 bis 3 % und psychische St\u00f6rungen ca. 15 % der Weltbev\u00f6lkerung. Studien zeigen, dass etwa 20 &#8211; 25% der Menschen mit psychischen St\u00f6rungen Schwierigkeiten haben, das Internet oder andere gesellschaftliche Ressourcen zu nutzen, insbesondere in Phasen akuter Krankheit oder ohne ausreichende Unterst\u00fctzung.<\/li>\n<li><strong>Analphabeten und Personen mit erheblichen Lese\/Schreibschw\u00e4chen:<\/strong> Etwa 14% der erwachsenen Weltbev\u00f6lkerung sind Analphabeten. Hinzu kommen etwa 25% funtkionale Analphabeten, die nur einzelne S\u00e4tze lesen oder schreiben k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Migranten mit geringen Sprachkenntnissen:<\/strong> Laut der Internationalen Organisation f\u00fcr Migration (IOM) lebten im Jahr 2020 etwa 281 Millionen Menschen als Migranten, was ungef\u00e4hr 3,6% der Weltbev\u00f6lkerung entspricht. Wenn man davon ausgeht, dass etwa 35% der Migranten weltweit Schwierigkeiten haben, sich sprachlich zu integrieren, w\u00fcrde dies etwa 1,5% der Weltbev\u00f6lkerung betreffen.<\/li>\n<li><strong>Sozio\u00f6konomisch exkludierte Menschen:<\/strong> Diese Gruppe ist stark abh\u00e4ngig von regionalen und sozio\u00f6konomischen Bedingungen, sodass ihre Anzahl je nach Lebensort erheblich variiert.\n<ol>\n<li><strong>Menschen in extremer Armut:<\/strong> Sch\u00e4tzungen zufolge leben etwa 10% der Weltbev\u00f6lkerung in extremer Armut (definiert laut Weltbank mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag).<\/li>\n<li><strong>Soziale Exklusion:<\/strong> Kriegerische Auseinandersetzungen sowie politische und religi\u00f6se \u00dcberzeugungen f\u00fchren weltweit zur gesellschaftlichen Exklusion von Menschen. Man geht davon aus, dass etwa 32% der Weltbev\u00f6lkerung (etwa 2,4 Milliarden Menschen) von erheblichen sozialen Restriktionen betroffen sind und nur \u00fcber einen sehr eingeschr\u00e4nkten Zugang zu Bildung, Information und gesellschaftlicher Teilhabe verf\u00fcgen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h3>Anmerkungen:<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Tempor\u00e4re Behinderungen:<\/strong> Kurzzeitige Beeintr\u00e4chtigungen durch Krankheiten oder Unf\u00e4lle erh\u00f6hen die Zahl der Betroffenen zus\u00e4tzlich. Fast jeder Mensch ist zumindestens ein Teil seines Lebens von einer oder mehreren dieser Behinderungen betroffen \u2013 durch Krankheit, Unfall oder altersbedingt.<\/li>\n<li><strong>Menschen ohne jegliche Behinderung:<\/strong> Unter Ber\u00fccksichtigung von \u00dcberschneidungen und vor\u00fcbergehenden Behinderungen k\u00f6nnte der Anteil der Menschen ohne jegliche Behinderung weniger als 50% der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen. Vor allem extreme Armut, funktionaller Analphabetismus sowie leichte Behinderungen wie Sehbehinderungen und Mobilit\u00e4tseinschr\u00e4nkungen betreffen sehr viele Menschen.<\/li>\n<li><strong>Altersbedingte Behinderungen:<\/strong> Mit steigendem Durchschnittsalter der Weltbev\u00f6lkerung wird auch die Zahl der Menschen mit Behinderungen kontinuierlich zunehmen, da der Anteil der Menschen mit Behinderungen mit dem Alter steigt. Um das zu veranschaulichen: In der Schweiz weisen nur etwa 10% der jungen Erwachsenen zwischen 16 und 24 Jahren eine Behinderung im Sinne des Gleichstellungsgesetzes auf, w\u00e4hrend es bei den \u00fcber 85-J\u00e4hrigen schon etwa 40% sind.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Quellen:<\/h3>\n<ul>\n<li>https:\/\/www.who.int\/en\/news-room\/fact-sheets\/detail\/disability-and-health<\/li>\n<li>https:\/\/dequeuniversity.com\/resources\/disability-statistics<\/li>\n<li>https:\/\/www.who.int\/disabilities\/world_report\/2011\/report\/en\/<\/li>\n<li>https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/blindness-and-visual-impairment<\/li>\n<li>https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/deafness-and-hearing-loss<\/li>\n<li>https:\/\/www.worldbank.org\/en\/topic\/disability<\/li>\n<li>https:\/\/www.worldbank.org\/en\/publication\/poverty-and-shared-prosperity<\/li>\n<li>https:\/\/www.un.org\/development\/desa\/disabilities\/<\/li>\n<li>https:\/\/ec.europa.eu\/social\/main.jsp?catId=1202<\/li>\n<li>https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240036703<\/li>\n<li>https:\/\/www.unesco.org\/gem-report\/en\/efa-achievements-challenges<\/li>\n<li>https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Gesundheit\/Behinderte-Menschen\/_inhalt.html<\/li>\n<li>https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung\/gleichstellung-menschen-behinderungen\/behinderungen\/individuelle-merkmale.html<\/li>\n<li>https:\/\/migrationdataportal.org\/<\/li>\n<li>https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/web\/migration-and-citizenship\/data\/database<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer kennt die historische Entwicklung der Behindertengleichstellung? Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung? Unternehmen tun sich oft schwer, Barrierefreiheit als Chance zu begreifen &#8211; dabei gelten ab 2025 gesetzliche Verpflichtungen. Zeit zum Umdenken!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[71,16],"tags":[73],"class_list":["post-1522","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-accessibility","category-user-experience","tag-barrierefreiheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1522"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1535,"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522\/revisions\/1535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/thomas-sokolowski.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}