… und was soll ich sagen: Nicht extrem unschön, aber auch nicht gerade eigenständig, individuell oder besonders. Wie viele andere KI-Inhalte besticht es durch eine «algorithmische Mittelmässigkeit» – siehe weiter unten im Beitrag das Diagramm.

Aber wie könnte es auch anders sein, denn die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerke halten den Durchschnitt des Durchschnitts als korrekteste Lösung. Daran werden auch fortschrittlichere Modelle eine Weile nichts ändern.

 

Versteht mich bitte nicht falsch: Durchschnitt muss nicht unbedingt schlecht sein, denn niemand kann alles extrem gut – so dass ein durchschnittliches Ergebnis für viele okay bzw. sogar einen echten «Mehrwert» darstellt. Es sei denn, man beauftragt einen Spezialisten, von dem man Überdurchschnittliches erwarten kann.

Deswegen habe ich es als «professioneller» Designer auch nie als meine Aufgabe betrachtet, nur Durchschnittliches zu konzipieren, Klar, sicherlich hätte es manchmal gereicht, aber in der Regel beauftragen mich meine Kunden dafür, das ich etwas mache, was sie selbst nicht tun können, auch nicht mit KI. Insofern kann ich mich grad nicht so dafür begeistern, was da jetzt bei Claude als «Design» heraus purzelt – es ist für mich unbrauchbar.

Erfolgreich waren schon immer diejenigen, die nicht das anboten, was der Durchschnitt anbot, sondern diejenigen, die herausgefunden haben, was andere NICHT so gut können, und genau darin sehr, sehr gut geworden sind.

Doch zurück zum ursprünglichen Thema: Vielen genügt anscheinend eine durchschnittliche Lösung, why not.

Die meisten Menschen bewohnen ja auch eine durchschnittliche Wohnung und führen ein durchschnittliches Leben. So herrscht allerorts die Mittelmässigkeit und wird durch KI noch befeuert.

In all diesen Fällen, auch im Design, ist die KI lediglich ein Kanal, der die mittelmässige Ansichten und Daten unserer Welt zu neuen mittelmässigen Ansichten und Daten verarbeitet. Sie ist quasi ein Mittelmass-Verstärker.

 

Deep Learning funktioniert so, dass Daten, die wiederholt und sehr häufig vorkommen, als korrekt eingestuft werden. Auf genau diese Weise bewerten sie die Eingabedaten und begünstigen damit zwangsläufig durchschnittliche Ergebnisse.

 

 

Design lebt dagegen von Originalität, Polarität und manchmal auch von Einzigartigkeit.

Wie kann man neuronale Netzwerke so trainieren, dass sie nicht nur die statistisch häufigen Daten, sondern auch eigenständige und innovative Gestaltungsvorschläge berücksichtigen? Wie kann man Ihnen ein kreatives Beurteilungsvermögen geben?

Ich weiss es nicht, vielleicht kriegen wir es eines Tages mal hin. Aber ich frage mich allen Ernstes: wozu?

Denn wenn die KI gelegentlich etwas Grossartiges erzeugen würde, würden die meisten Anwender es ohnehin nicht bemerken – schon gar nicht zu schätzen wissen. In der Regel wollen die meisten Nutzer Mittelmässiges. Das ist das, was sie erwarten! Auf diese Weise pflanzt sich die Mittelmässigkeit fort.

 

Mittelmässigkeit pflanzt sich fort: Fünf zufällig ausgewählte Websites aus der Technologie-Branche – die zweite von rechts ist Apple. Durchschnittlicher gehts nimmer.

 

So ist es bei den meisten Websites. Es gibt vielleicht 5 % wirklich schlechte und 5 % sehr gute Websites, während 90 % aller Websites einfach durchschnittlich sind.

Doch die KI-Branche will uns weismachen, dass wir mit den richtigen Tools alles erreichen können – aus jedem Laien ein Profi wird. Jeden Monat wird ein neues Modell, ein neues Framework oder ein bahnbrechendes Update bereitgestellt, welches unsere Produktivität noch Mals steigern soll. Doch das Gegenteil ist der Fall.

 

Die Optimierung frisst sich selbst auf.

Wer bei dieser Geschwindigkeit immer Up-to-Date bleiben möchte, wird einfach keine Zeit haben, wirklich gute Lösungen zu finden.

Viele von uns verbringen mehr Zeit damit, immer wieder neue Tools auszuprobieren, uns in sie einzuarbeiten, Video-Tutorials anzuschauen sowie Newsletter, Posts und Artikel zu lesen, als tatsächlich produktiv zu arbeiten. Der Alltag bei vielen dieser «KI-Experten» sieht längst so aus: 50% Maintenance und 30% Administration, um in der verbleibenden 20% Zeit austauschbare, mittelmässige Lösungen zu produzieren.

Irgendwann werden wir erkennen, dass wir nicht das neueste Modell oder das beste Tool benötigen, um Grossartiges zu leisten. Es braucht viel häufiger die richtige Denkweise, eine Portion Leidenschaft und Energie – und vor allem Zeit. Allerdings wird uns diese systematisch genommen.